MIR TROGN A GESANG
Der Wiener Jüdische Chor gab am 28. Mai im Wiener Odeon auf der Taborstraße ein Konzert, bei dem er sein neues Programm mit seinem (relativ) neuen Chorleiter vorstellte.
Es sei gleich vorweg genommen – den Chorleiter Roman Grinberg merkt man sowohl dem Programm als auch dem Chor selber an: Selten in den nunmehr über 14 Jahren seines Bestehens hat man den Chor mit so viel Begeisterung und mitreißendem Schwung musizieren gehört. Und was das Programm betrifft, spannt sich der Bogen jüdischer Musik heute beim WJC weiter als je zuvor. Wer hätte – auf den ersten Blick – die Wienerlieder von Hermann Leopoldi (alias Kohn) zum jüdischen Liedgut gezählt? Auf den zweiten Blick erscheint es jedoch überhaupt nicht abwegig. Und so kam das Publikum in den Genuss von Leopoldis Evergreen „In einem kleinen Café in Hernals“, vorgetragen vom Vorsitzenden (und Gründungsmitglied des WJC) Timothy Smolka. Die älteren Semester im Publikum summten die Melodie mit. Neben programmatischen Änderungen hat der künstlerische Leiter des Chors auch die Art des Vortrages verändert und einzelne Stimmen sowie solistische Vorträge mehr in den Vordergrund gerückt. Besonders hervorzuheben ist hier die Darbietung der „Belzer Sisters“ Dora Nepadensky und Emilia Blufstein, die mit im Duett gesungenen Programm das Publikum zu Begeisterungsstürmen mitrissen. Wie ihr Spitzname schon besagt, stammen die beiden Damen – wie übrigens auch Chorleiter Grinberg – aus dem (heute moldavischen) „Städtele“ Belz und haben eine Tradition des gemeinsamen Vortrages, der sowohl in der Routine als auch im inneren Ausdruck der gesungenen Erinnerungen zu merken war. Nicht zu vergessen ist auch der absolut virtuose Geigenspieler Aljoscha Biz, der mit seinem hinreißenden Spiel das Publikum in seinen Bann zog. Die übrigen Solisten trugen trugen weitere Lieder zusammen mit dem Chor vor, so Renate Schilhan, Pnina Schreiber, Elisabeth Zinschitz, Iris Golden und Clara Treu. Hervorzuheben wäre zuletzt auch der Auftritt des besten Wiener Gospelchores von Wien, „Gospelpower“, der mehrere Lieder zum Besten gab und so die Weltoffenheit der in Wien gelebten jüdischen Kultur hervorhob und seine Verbundenheit zu Frömmigkeit und zur Lobpreisung der Schöpfung durch Gesang. Zum Abschluss sangen alle – Solisten des WJC, Gospelpower und das Publikum – gemeinsam und mit Begeisterung „Ose schalom“, was den ebenso schönen wie erfolgreichen Abend würdig abschloss

Artikel von André Igler für "Die Gemeinde" Juli 2003 BACK >