Eine "Am Schauplatz" Reportage von Christian Schüller.
Dora führt ein kleines Lebensmittelgeschäft in Wien. Ihre Schwester Emilia arbeitet in einem Supermarkt. Was weder Kollegen noch Kunden wissen: Die Beiden waren einmal gefeierte Musikerinnen, gaben Konzerte mit Cello und Klavier. Das war in ihrem früheren Leben in Moldawien.
Vor fünfundzwanzig Jahren sind Dora und Emilia aus der ehemaligen Sowjetunion nach Österreich emigriert. Ihre Familien haben sich mit Putzarbeiten und Hilfsdiensten durchgeschlagen. Aus dem erträumten Musikerleben wurde nichts. Jetzt haben sie zum ersten Mal ihr ehemaliges Zuhause besucht – das mittlerweile zum ärmsten Land Europas heruntergekommen ist.
Aber die beiden temperamentvollen Frauen mit der kugelrunden Figur kommen nicht allein, sie bringen einen ganzen Chor mit – und einen Haufen Geschenke für die Straßenkinder von Moldawien. Der Wiener Jüdische Chor, in dem die Schwestern singen, hat bei seinen Konzerten nämlich für die Ärmsten der Armen gesammelt. Und bemüht sich, die mitgebrachten Spenden so gut es geht an bedürftige Familien weiterzugeben.
Wie Dora und Emilia stammt auch Roman Grinberg, der Chorleiter, aus der moldawischen Kleinstadt Belz. Bei ihrer Reise mit dem Chor werden die drei mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.....
Artikel von Christian Schüller für "ORF" vom Sept 2005
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